Mittwoch, 08. Juli 18:10
Wir sitzen heute Vormittag beim Augenarzt, um die weiteren Schritte zu besprechen. Mutti hat den Grauen Star, eine Erkrankung, die durch einen oft durchgeführten Eingriff praktisch nahezu vollständig heilbar ist. So viel weiß ich. Der Arzt meint ungefähr folgendes: »
Wenn Sie wollen, können wir den Eingriff nächste Woche als Privatleistung ansetzen, oder Sie wenden sich an das Hanusch Krankenhaus, dort bekommen Sie das als Kassenleistung, allerdings schlechter und erst in etwa einem halben Jahr...«. Darauf ich: »
Ja, und wie viel kostet uns das?« Der Arzt: »
6.000,- Euro.«. Mutti schaltet sich ein: »
Nein, sicher net.«. Die Situation wandelt sich wie in einer schlechten Film-Komödie. Der Arzt wird, vorher noch sehr freundlich, im gleichen Moment extrem einsilbig, sagt nur noch: »
Gut, auf Wiedersehen, sie bekommen die Überweisung am Schalter.« und weist uns zur Türe. Der Zusammenhang zwischen Geld und Habitus wurde mir noch nie so eklatant vorgeführt. Eigentlich sogar wirklich lustig.
Beim Verlassen der
lustigen Augenklinik ist Mutti ein wenig desperat aber irgendwie ahne ich schon, dass das, was der
Herr Professor (so wird er von seinen Angestellten genannt) so von sich gegeben hat, eher nicht die ganze Wahrheit war. Die Dame bei der Terminvergabe im Hanusch ist hörbar düpiert bezüglich meiner Frage, was der Unterschied zwischen einer privaten Behandlung und einer Kassen-OP in diesem Fall wäre. Und natürlich ist das nur all zu verständlich. Das Hanusch hat bei diesem Eingriff einen extrem guten Ruf und der wird dort zu Hunderten durchgeführt. Es gibt schlichtweg keine Unterschiede bei der Qualität des Eingriffs. Ein Unterschied, der klar ist, wäre natürlich, dass es wirklich eine etwas längere Wartezeit gibt. Allerdings steht auf der Homepage vom Hanusch etwas von zehn Wochen.
Ich möchte den Herrn Professor nicht schlecht reden. Wahrscheinlich ist der fachlich wirklich Top. Nur menschlich/moralisch gesehen gibt es bei ihm doch noch ein bissi Luft nach oben. Oder er hat sich beim Kauf seiner Jacht ein wenig übernommen...
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(C) mArtin, im
Juli 2026.
Und ich bin wirklich nicht immer stolz darauf.
Manchmal aber sehr wohl.
Da einige meiner Texte ohnehin bereits an anderer Stelle verwendet wurden/werden, dürfen sie also unter
Angabe der Quelle auszugsweise verwendet werden. Bitte aber den passenden Link zum entsprechenden Beitrag im Rahmen der Zitat-Kennzeichnung kopieren und einfügen. Denn irgendwann möchte ich auch reich und berühmt werden. Oder auch nicht. Herzlichen Dank und weiterhin viel (Lese-)Freude!