Mittwoch, 29. April 17:20
Wie schaut das eigentlich für MigrantInnen aus, wenn diese die österreichische Staatsbürgerschaft erhalten wollen? Ist das ein schwieriger Vorgang? Wie gut muss man die Bräuche und Kultur dieses Landes kennen? Wie gut muss man Deutsch sprechen können? Wie groß ist die Chance ganz allgemein, dass man in annehmbarer Zeit StaatsbürgerIn dieses Landes sein darf?

Ich habe einmal eine Dokumentation gesehen, in welcher der ziemlich lange und wirklich steinige Weg von mehreren Anwärtern gezeigt wurde. Wie zum Beispiel eine Frau genau jene Dokumente zum Amt brachte, die sie nach langwierigen Verhandlungen mit den Behörden ihres Heimatlandes endlich bekommen hat – und ihr dann am Wiener Magistrat die Auskunft gegeben wurde, dass nun ein neues Gesetz gelten würde und sie daher noch ganz andere Dokumente beibringen sollte. Am Ende dieser Doku haben doch noch alle MigrantInnen ihre Einbürgerung feiern können, aber dieser Film begleitete die Personen doch über fast ein Jahrzehnt.

Es kann auch schneller gehen. Also wirklich viel schneller. Anastassija Potapowa hat keine Deutschkenntnisse und dennoch ihre Staatsbürgerschaft in einem beschleunigten Verfahren innerhalb von Wochen erhalten. Der Grund: Sie kann sehr gut Tennis spielen. Wirklich gut. Sie spielte schon zu der Zeit, als sie noch Russin war, in den Top-100, derzeit liegt sie auf Platz 56. Das ist also ein guter Grund für Österreich, sie zur Staatsbürgerin zu machen.

Ist so ein Grund wirklich besser oder moralisch hochwertiger, als eine Nationalität zu verkaufen? Was mögen sich die Hunderten von Anwärtern denken, die auch sehr gut in ihrem Job sind und dennoch Monate und Jahre darum kämpfen müssen? Warum hört man bei solchen Einbürgerungen nie einen Aufschrei der Blauen – bei jenen aber, die sich das mühsam erarbeiten aber sehr wohl?

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(C) mArtin, im Mai 2026.
Und ich bin wirklich nicht immer stolz darauf.
Manchmal aber sehr wohl.


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