Donnerstag, 07. September 19:30
Vor kurzer Zeit erst habe ich gelesen, dass die heutige Art, Fotos zu machen, eigentlich keinen Sinn habe. Man macht 1000e von Fotos, welche dann ein ziemlich traurig-einsames Dasein auf irgendwelchen Festplatten und anderen Datenträgern fristen.

Im Prinzip ist das schon ein bisserlbisserl


»a bisserl« = weniger. Noch ein wenig weniger, als wenig.

Am wenigsten wäre dann ein »E u z e r l«.

Aber das ist dann schon so wenig, dass es - jetzt rein in Bezug auf die Menge - fast mit dem »Lecherlschas« in Konkurrenz tritt.
wahr. Während man in früheren Zeiten immer im Hinterkopf hatte, dass jedes gemachte Foto auch nach dem Filmkauf noch echtes Geld kostet ist es ja heute so, dass nach Anschaffung von Kamera und Speicherkarte keine weiteren Kosten anfallen – so man auf die analoge Entwicklung mit Fotopapier verzichtet. Das regt natürlich so manchen Finger zum inflationären Klicken an und nicht selten kommt man von einem Ausflug zum örtlichen Lebensmittel-Discounter mit 25 bis 40 neuen Fotos eines ur-lustigen Hundes an, der vor dem Geschäft einen Sportschuh zerbissen hat – oder so. Weil man ja auch immer irgendeine Art von Fotoapparat dabei hat – und sei es in Form eines Telefons. Ein Satz, der heute lange nicht mehr so seltsam klingt, wie wenn man ihn vor 30 Jahren aufgeschrieben hätte.

Also, ja! Wir machen sicher viel mehr Fotos als in der analogen Zeit. Und auch ja, die Mehrzahl dieser Fotos wird kaum ein zweites Mal angesehen und ist daher nicht viel mehr als ein paar MB verbrauchter Speicherplatz mit einem Namen, der oft mit DSC anfängt und mit .JPG aufhört.

Aber – und das wurde mir heute so richtig klar – wie hat es denn davor ausgesehen? Beziehungsweise, wie sieht es denn heute mit den Fotos aus der Zeit der Dampffotografie aus? Die liegen halt bei mir unter dem Bett. Feinsäuberlich in zwei sehr große Holzkisten geschlichtet. Oder sie sind in 36er und 50er Dia-Magazine geschlichtet und warten dort auf Be- und Durchlichtung mit einem Projektor, den ich gar nicht besitze. Und würde ich solch eine Maschine besitzen, so wäre mir der Aufwand, diese auch in Betrieb zu nehmen, viel zu groß.
Ist also der Analogeffekt vielleicht doch gar nicht so supertoll, wie er uns immer wieder geschildert wird?

Ja, wir machen heute vermutlich zu viele Fotos – wahrscheinlich sind nur wenige Prozent davon wirklich sinnvoll, wenn überhaupt. Aber ob Fotos jetzt auf Datenspeichern oder in Diamagazinen oder unter dem Bett gehortet werden, ist in Wahrheit völlig egal. Die Terrabyte-Festplatte nimmt dabei noch am wenigsten Platz weg, also darf man das ruhig für einen relativ großen Fortschritt halten.

Und schlussendlich sei auch noch bemerkt, dass die rein technische Qualität der Fotos einfach einen Quantensprung gemacht hat. Es gibt heute kaum noch Fotos, die aus technischen Gründen durchfallen, es ist fast immer das Motiv, welches einem manchmal die Tränen ins Auge treibt. Positiv, wie negativ.

All das kam mir heute übrigens nur deshalb in den Sinn, weil ich gerade Dias einscanne. Dias aus dem vorigen Jahrtausend. Dias, die ich das letzte Mal irgendwann gegen Ende der 80er angesehen habe. Wie zum Beispiel dieses: mArtin (und Verena) vor ziemlich genau 30 Jahren...

2 Kommentare


(C) mArtin, im November 2017.
Und ich bin wirklich nicht immer stolz darauf.
Manchmal aber sehr wohl.


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