Montag, 07. September 19:00
Es warat wieder einmal wegen des (scheinbar enormen) Rassismus in Österreich. Zum Ersten: Freilich ist das Ansichtssache, wie schlimm es mit dem Rassismus in Österreich ist. Ich habe in einer Dokumentation eine schwarze Uni-Professorin aus den USA gehört/gesehen, die nach einigen Monaten in Österreich wahre Loblieder über dieses Land »ohne jeden« Rassismus gesungen hat. Nun, diese Frau kommt aus einem Land, wo – da kann man durchaus sicher sein – ein gänzlich anderer Level von Rassismus herrscht. Zudem lebt diese Frau hier in Wien in einer höchst privilegierten Art und Weise. Ich meine: auf der Uni geht es ganz einfach völlig anders zu, wie beim Hilfsarbeiter-Job am Fließband in der Hack'n. Und auch nicht unwichtig: Auf Grund der Sprachbarriere wird sie natürlich den ganz subtil vorgetragenen Rassismus, der noch dazu auf wienerisch daherkommt, nicht verstehen. Insofern: Ansichtssache.

Und dann gibt es jene Bevölkerungsschichten, die sich andauernd und nur und immer und echt und ... im Ziel von Rassismus wähnen! – Und das auch immer wieder genau so aussprechen: Türken und Serben.

Und ja, wenn ich so nachdenke, dann kenne ich von eigentlich jedem Menschen in meiner (wirklich eher linken) Umgebung passende Ansagen, dass man die eine oder andere Gruppe von den angesprochenen Menschen eher meidet und/oder nicht mag. Was an sich natürlich schon ein bissi blöd von uns ist, weil wir ja wissen, dass es keine Arschlöcher mit Fahne gibt, sondern einfach nur nette Menschen und Arschlöcher. Aber, es ist, wie es ist: Türken und Serben genießen nicht unbedingt die höchste Beliebtheit in unserem Land. Und weil ich von beiden Ländern sehr liebe Menschen kenne (und kannte), mache ich mir doch Gedanken darüber, warum das (meiner Vermutung nach nicht nur in Wien) so ist.

Ich glaube, ich habe die Lösung: Niemand mag wirklich Rassisten.

Ich war nie bei einer echt rassistischen Demo, mit einer Ausnahme: Da bin ich in nämlich einmal (zusammen mit meinem Fahrrad) zufällig in eine Erdogan-Demo gestolpert. Na servusna servus


Ausdruck der gehobenen Indignation. Eine mögliche Steigerung der Empörung ergibt sich durch den Zusatz: »G'schäft«.
G'schäft! Derart viele Flaggen auf so kurzer Strecke hat man in Wien noch nie gesehen. Oder halt schon vor sehr langer Zeit. Wir mögen es nicht so aussprechen – aus Angst, rassistisch zu wirken – aber das war definitiv eine schwer nationalistische Demonstration. Wer mag das schon?

Oder gestern. Da habe ich das EM-Finale im Volleyball der Frauen von Italien gegen die Türkei gesehen und musste weg schalten. Das Gejohle, Gebuhe und Gepfeife, wenn die Italienerinnen am Zug waren, war einfach nicht auszuhalten. So etwas, in dieser extremen Form habe ich noch nie von einer anderen Nation gesehen/gehört. Außer von den Serben natürlich. Da muss man nur ein Basketball-Spiel ansehen, in welchem die Serben daheim gegen ein anderes Land spielen. Das Gleiche in Grün. Mit »Sport« hat das nicht mehr viel zu tun.

Und wo wir schon bei den Serben sind: Ein quasi Staatsbegräbnis für einen verurteilten Kriegsverbrecher, mit Teilname von Ministern und hoher Politik, das macht halt auch keinen wirklich schlanken Fuß.

Wir haben eben alle ein paar Vorurteile. Aber jenes, dass man Nationalisten eher nicht so richtig lieb hat, ist wahrscheinlich gar nicht so schlecht.

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(C) mArtin, im September 2026.
Und ich bin wirklich nicht immer stolz darauf.
Manchmal aber sehr wohl.


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