Montag, 11. Mai 18:20
Der Besuch im Repair-Café. Der Bericht einer ziemlichen Niederlage.

Mein Verstärker im Studio ist seit langer Zeit defekt – darüber habe ich ja bereits ein paar Male hier berichtet. Mein eigener Reparaturversuch (Austausch der vier Leistungstransistoren) hat die Situation seltsamer Weise etwas verbessert aber nicht wirklich komplett berichtigt. Immer noch sind beide Kanäle unterschiedlich laut. Meine geniale Idee war nun, zu einem in meiner Gegend stattfindenden Repair-Cafè zu fahren und den Amp mit professioneller Unterstützung zu reparieren. Schmecks. Aber hoch zehn!

Ich bin bereits mit dem geöffneten Verstärker dort aufgeschlagen, habe ein Formular ausfüllen müssen und wurde auch sofort einem Techniker zugeteilt. So, wie der sich meines Gerätes angenommen hat, habe ich innerhalb von etwa 15 Sekunden erkannt: Der Typ vor mir ist auf meinem Wissensstand! Er erklärt mir die Bauteile, welche er erkennt, murmelt immer wieder etwas in seinen (nicht vorhandenen) Bart, wie z. B.: »das sind wahrscheinlich die Leistungs-Elkos« oder auch »da ist ein Relais – und da auch«, während er die beschriebenen Bauteile mit der Prüfspitze anzeigt. Ich denke zu diesem Zeitpunkt bereits: »Bitte, lieber Gott, lass dieses unwürdige Spiel schnell enden!!«. Ein Feueralarm oder Cobra-Einsatz wären mir relativ willkommen gewesen. Nicht falsch verstehen, der Typ war eh sehr nett, sollte aber in dieser Situation nicht vor mir und meinem geöffneten Amp stehen.

Dann fragt er mich, ob ich ein Service-Manual mit Schema hätte, was ich verneine. Er meint, das könne man im Netz finden, auf einer Seite, die irgendwie so ähnlich wie »Jana« heißt. Da mir aber klar ist, dass er definitiv kein Service-Manual (m)eines Verstärkers lesen und verstehen kann, tue ich nur so, als ob ich danach suchen würde und sage, dass man da nichts finden könne. Zu dem Zeitpunkt möchte ich einfach nur mehr nach Hause! Das Ende kann ich dann zum Glück selber irgendwie einfädeln, ich weiß jetzt gar nicht mehr, wie ich das angegangen bin. Ich bin dort wie in Trance.

Fazit: Wenn Sie einen Toaster um 9,99 vom Hofer haben, der nicht mehr toastet – eine Lichterkette für Weihnachten, die nicht mehr lichterkettet – oder meinetwegen auch einen Staubsauger, bei dem das Kabel sich nicht mehr automatisch in die Kabeltrommel zurückzieht, dann sind sie bei einem Reparatur-Café genau richtig! Meinetwegen auch mit dem CD-Player, der die richtigen Titel nicht mehr abspielen kann. Denn da ist zu 99 % eh nur die Laserlinse schmutzig und das lässt sich mit Spucke am Wattetupfer super reparieren.

Wenn Sie aber einen HIFI-Verstärker haben, der nicht mehr einwandfrei funktioniert, dann ist der beste Tipp: Werfen Sie das Gerät weg und kaufen Sie sich einen neuen, damit haben Sie viel Ärger gespart. Und übrigens auch Geld! Ich bin ja nicht der coolste Typ ever – eher genau das Gegenteil, also kann ich an der sehr prominent aufgestellten Spenden-Kassa für den Verein nicht vorbeigehen ohne dort einen 10er einzuwerfen. SchasSchas


Im Prinzip ein »Furz«. Meist jedoch wird damit eine Situation, ein Thema, eine Gegebenheit beschrieben. Z.B.: »Des is a Schas!« bedeutet soviel, wie: »Diese Sache ist nicht wirklich gut!«. Gerne wird »Schas« auch für »ein Nichts« verwandt.

Eine Steigerungsform von »Schas« wäre dann der »Schas im Wald«, was auf recht einprägsame Weise das tatsächliche, das echte »Nichts« zu beschreiben versucht.
– aber echt!

Und mein eigenes Fazit: Eigentlich habe ich ja in Elektrotechnik mit einem guten Gut maturiert. Es ist halt nur Elektrotechnik für Maschinenbauer, aber immerhin. Und genau deshalb weiß ich ab nun: Was ich nicht reparieren kann, kann eh niemand reparieren – wenn ich nicht 500,- Euro für die Reparatur eines Geräts ausgeben möchte, das neu 300,- Euro kostet...

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(C) mArtin, im Mai 2026.
Und ich bin wirklich nicht immer stolz darauf.
Manchmal aber sehr wohl.


Da einige meiner Texte ohnehin bereits an anderer Stelle verwendet wurden/werden, dürfen sie also unter Angabe der Quelle auszugsweise verwendet werden. Bitte aber den passenden Link zum entsprechenden Beitrag im Rahmen der Zitat-Kennzeichnung kopieren und einfügen. Denn irgendwann möchte ich auch reich und berühmt werden. Oder auch nicht. Herzlichen Dank und weiterhin viel (Lese-)Freude!