Donnerstag, 26. Februar 18:50
Auf meiner täglichen Fahrt komme ich immer wieder einmal mit einem Aluhut-Träger zusammen, der an sich halbwegs sympathisch ist. Ich höre mir halt immer wieder seine Ausführungen an um eben die »
andere« Seite auch kennenzulernen. Seine Theorien sind manchmal gar nicht so schlecht es zeigt sich nur, dass er geradezu darauf erpicht ist, die falschen oder zumindest sehr
schräge Schlüsse zu ziehen. Er hat eine partielle Querschnittslähmung, die er im Zuge eines Unfalls vor etwa 40 Jahren erlitten hat. Seit damals lernt er mit einem speziellen Rollator wieder gehen und seit ich ihn einmal darauf angesprochen habe, unterhalten wir uns eben immer wieder einmal. Seine Meinung über seinen Unfall ist zum Beispiel diese, dass er das gebraucht hat, um auf den rechten Weg zu kommen. Ich meinte dazu, dass es wohl gut sei, dass er dies so sehen könne, aber der Unfall wäre rein grundsätzlich Zufall. Natürlich mit erheblicher Eigenverschuldung, da er (laut eigener Aussage) mit stark überhöhter Geschwindigkeit unterwegs war. Nein, nein das Universum hat das so geplant, damit er zu Sinnen kommen würde. OK, von mir aus.
Mir fiel aber immer öfter auf, dass er genau das macht, was man den Verschwörungs-Theoretikern so allgemein vorwirft: Er findet unglaublich einfach klingende Erklärungen für an sich unglaublich komplexe Themen. Bei unserer letzten Unterhaltung ist es mir dann doch etwas zu bunt geworden, ich wurde lauter. Noch nicht beleidigend, aber schon knapp davor. Unsere Diskussion wurde was natürlich immer mal kommen muss politisch. Und es war nach wenigen Worten klar, dass ich da einen strammen FPÖ-Wähler vor mir habe. Was mit einem strammen KPÖ-Wähler, der ich bin, tendenziell eher nicht zusammengeht. Und es kam, was kommen muss, nämlich die Aussage, dass man den Wählerwillen von 39 Prozent der Österreicher nicht einfach ignorieren dürfe.
Meine Replik: 1.) sind die 39 Prozent nur ein Umfragewert, gewählt wurde die FPÖ lediglich von knapp 29 Prozent. 2.) Sind das weder 29 % der Österreicher, noch der in Österreich lebenden Menschen, sondern nur 29% jener Wahlberechtigten, die auch ihre Stimme abgegeben haben. Und 3.) sitzt der Wählerwille von 57 % der abgegebenen Stimmen nun als Regierung im Parlament. Das nenne ich eine Mehrheit. (Wenn man aber alle Wähler zusammen zählt, die die FPÖ dezidiert
nicht wollten, dann ist es noch wesentlich mehr!)
Es kommen von ihm immer wieder so seltsame »
aber« mit kruden Erklärungen, die ich allesamt abwehren konnte. Bei seiner Frage zu dem bei der FPÖ sehr beliebten
Ausländer-Thema: ob ich denn nie Probleme mit in Österreich lebenden Ausländern hätte, antwortete ich ihm, dass ich diese sehr wohl hätte, aber ganz genau wisse, dass die FPÖ die letzten wären, die diese Probleme lösen könnten ganz im Gegenteil: Durch diese Partei hätten wir einige dieser Probleme erst. Das Gespräch dauerte zu diesem Zeitpunkt bereits etwa 20 Minuten und ging mir sehr an die Substanz. Dann kommt seine bisher letzte Erklärung, die lautetet ungefähr so: »
Also, stell Dir deine Hand mit den fünf Fingern vor (er zählt seine Finger, beginnend mit dem Kleinen), ... das sind die Grünen, das sind die NEOS, das ist die SPÖ, das die ÖVP und das (er zeigt auf den Daumen) ist die FPÖ. Wenn Du jetzt den Daumen abhackst, wie möchtest Du dann am nächsten Morgen Deinen Frühstücks-Kaffee trinken, naaaa....?!!!«
Ich habe noch kurz interveniert, dass man über die Notwendigkeit einer Partei, die mit Rassismus und Hetze arbeitet, nicht mit einem Beispiel aus einem Kindergarten-Reim diskutieren kann, habe aber zu diesem Zeitpunkt bereits eingesehen, dass hier Hopfen und Malz usw. usf...
Man muss ja schließlich wirklich nicht mit Jedem reden können.
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