Donnerstag, 05. Februar 18:50
Es sind dies Fakten, die mir wohl bekannt sind – aber in ihren enormen Auswirkungen auf uns, also die gesamte Menschheit, nicht so wirklich bewusst waren. Die KI ist ja nicht von Anfang an »smart«. Sie muss erst einmal dazu gebracht werden. Nachdem also die Programmierer dran waren und das – vergleichsweise recht bescheidene, also kleine – Programm geschrieben haben, da fängt die echte Arbeit erst an. Die KI muss nun trainiert werden. Sie ist ja zunächst nur ein Programm, dass mit Wahrscheinlichkeiten gut rechnen kann. Der eigentliche Schatz bei einer KI sind die Daten, an denen diese Wahrscheinlichkeiten dann angewendet werden.

Zur Veranschaulichung ein Beispiel: Die KI weiß natürlich zunächst nicht, wie eine Karotte im Maul eines Esels aussieht, sie kennt weder den Esel, noch die Karotte. Also muss sie mit Hunderttausenden Fotos von Eseln und Karotten gefüttert werden. Bei jedem dieser Fotos muss ein Mensch der KI sagen, dass es sich dabei um einen Esel oder eine Karotte oder vielleicht doch ein Pferd handelt, damit sie ihre Wahrscheinlichkeiten berechnen kann, ob es sich bei einem abgefragten Foto dann um einen Esel und eine Karotte handelt. Dies muss also mit jedem – wirklich jedem – Begriff gemacht werden, den wir in unserem Leben haben. Und auch in jeder Sprache, welche die KI beherrschen soll. Überlegt man sich das ein wenig, dann kommt man rasch dahinter, dass es Hunderte von Milliarden Eingaben benötigt, bis eine KI auch das leisten kann, was die derzeitigen Modelle leisten. Und wer leistet diese Arbeit?

Genau da kommt der Moment, der uns alle ins Grübeln bringen sollte. Diese Arbeit wird von digitalen Hilfsarbeitern erledigt, die zumeist in den Schwellenländern zu finden sind. Warum? Weil es dort keine guten Gesetze gibt, welche die Arbeiter schützen würden, und weil es genug Menschen gibt, die um extrem wenig Geld arbeiten müssen, damit sie überleben können. Drei bis fünf Euro pro Tag (etwa zehn Stunden) verdient so ein Data-Worker im Durchschnitt, der höchste Lohn liegt etwa bei acht Euro. Man muss kein Genie sein, um festzustellen, dass man auch in Ghana um so einen Lohn kaum überleben kann. Derzeit gibt es vermutlich etwa 200 bis 450 Millionen Menschen in der Welt, die diese Arbeit ausführen.

Dann kommt noch eine weitere, sehr verstörende Sache hinzu: Damit so eine KI sich weigert, moralisch fragwürdige Aktionen auszuführen, muss sie auch dahingehend trainiert werden. Dazu bekommen die Data-Worker sehr verstörendes Material vorgespielt, welches sie dann zu klassifizieren haben. Und wenn man dauernd Videomaterial zu Gesicht bekommt, in dem Kinder und junge Frauen vergewaltigt werden, dann macht das etwas mit einem. Und zwar nichts Gutes. Viele dieser Arbeiter leiden an PTBS und müssten eigentlich in Behandlung – das so etwas in einem Schwellenland aber kaum oder gar nicht geht, liegt auf der Hand. Bei all diesen ohnehin bereits nicht leicht hinzunehmenden Fakten ist ja auch noch zu bedenken, dass die KI mit Daten aus dem Netz trainiert wird, all diese Daten kommen ja auch ursprünglich von Menschen, die zumeist gar nicht wissen, dass mit ihrer Arbeit eine KI trainiert wurde bzw. wird.

An all das sollte man vielleicht ein wenig denken, wenn man das nächst Mal eine KI fragt, ob sie bitte ein Foto von einem Esel generieren kann, der eine Karotte frisst...

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(C) mArtin, im April 2026.
Und ich bin wirklich nicht immer stolz darauf.
Manchmal aber sehr wohl.


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