Mittwoch, 23. November 17:40
Nachbarschaftshilfe. Im Radio war ein Beitrag zu hören, in welchem der Nutzen von freiwilliger und/oder nachbarschaftlicher Hilfe in unserem Staat thematisiert wurde. Dass eben unsere Gesellschaft ohne Freiwillige und deren Leistungen eigentlich gar nicht wirklich funktionieren würde, da der Staat in Ermangelung von Geld immer mehr der sozialen Hilfe auf Freiwillige und deren Tun auslagert.
Bis zu einem gewissen Grad kann man schon merken, dass dies nicht ganz von der Hand zu weisen ist. Wenn Menschen sich die Ernährung der eigenen Familie trotz eines Jobs nicht mehr leisten können, dann läuft da etwas falsch. Wenn diese Menschen dann auf eine Tafel angewiesen sind, dann läuft da sogar doppelt was falsch. Aber das ist heute gar nicht mein Thema.

Viel mehr ist mir zu »Nachbarschaftshilfe« etwas eingefallen. Ich bin grundsätzlich bereit, meinen Nachbarn zu helfen und habe das auch schon öfters getan. Es wurde schon öfters meine Hilfe bei Gartenarbeiten oder bei Computerproblemen in Anspruch genommen – und jedes Mal habe ich das mehr oder weniger gern getan.
Nur ein einziges Mal ist mir das in ziemlich schlechter Erinnerung geblieben: Vor etwa 20 Jahren fragte mich eine ältere Dame über den Gartenzaun, ob ich ihr bei der Reinigung ihrer Dachrinnen helfen könnte. Sie sei schon zu alt, um auf die Leiter zu steigen und außerdem alleinstehend. Natürlich habe ich zugesagt und einen Termin vereinbart. Zu diesem Termin war ich ziemlich krank mit Fieber, wollte den Termin aber nicht verschieben – es war Spätherbst und das Wetter würde vor dem Winter sicher nicht mehr besser. Vati hat mir mit der Leiter geholfen und als ich im leichten Fieberwahn die Leiter hochsteige, sehe ich im Wohnzimmer die komplette Familie der Frau bei der Jause sitzen und mir zusehen. So richtig alleine war sie also nicht...

Dieses Erlebnis hat sich bei mir ziemlich fest verankert. Wenn mich fremde Leute um Hilfe bitten, bin ich lange nicht mehr so offen, wie früher. Ich habe erst viel später von dem Nachbarn dieser Frau erfahren, dass sie eine geizige und unangenehme Person gewesen wäre. Was an sich schon eine bemerkenswerte Aussage ist, denn dieser Nachbar hat selber den Ruf relativ »unangenehm« zu sein...

3 Kommentare


(C) mArtin, im Dezember 2022.
Und ich bin wirklich nicht immer stolz darauf.
Manchmal aber sehr wohl.


Da einige meiner Texte ohnehin bereits an anderer Stelle verwendet wurden/werden, dürfen sie also unter Angabe der Quelle auszugsweise verwendet werden. Bitte aber den passenden Link zum entsprechenden Beitrag im Rahmen der Zitat-Kennzeichnung kopieren und einfügen. Denn irgendwann möchte ich auch reich und berühmt werden. Oder auch nicht. Herzlichen Dank und weiterhin viel (Lese-)Freude!