Freitag, 13. Mai 20:00
Ich weiß, es ist keine große Sache – aber doch irgendwie passend zur Zeit. Zu jener Zeit nämlich, in der das neue »Recht auf Reparatur« der EU herausgekommen ist, dem Österreich immerhin mit dem Reparaturbonus Rechnung zu tragen versucht. Im Prinzip sagt dieses Gesetz nichts anderes aus, als dass man damit weg von dem kaufen/benutzen/wegwerfen-Gedanken kommen möchte. Es wäre für die Umwelt – und damit auch für uns selber – ganz gut, wenn wir unsere gekauften Dinge so lange wie nur möglich verwenden würden. Für mich ist es schon längere Zeit keine Frage mehr, dass ich versuche, so zu handeln.

Daher habe ich, als die MA48 vorige Woche beim Ausleeren meiner Biotonne auch den Deckel mit-entsorgt hat, bei der passenden Abteilung das Kontaktformular ausgefüllt und um einen neuen Deckel gebeten.
Gestern wurde ich von der Abteilung angerufen und ich habe die Auskunft bekommen, dass man da nichts machen könne, die einzige Möglichkeit ist, man gibt mir eine neue Tonne. Egal, welchen Einwand ich auch versuchte, die Zusendung eines Deckels – der ganz einfach einzusetzen und zu befestigen ist – ist für so einen Fall nicht vorgesehen. Der Mitarbeiter kann das im Formular nicht ausfüllen. Und zudem interessiert ihn das auch gar nicht.

Mir ist aufgefallen, dass hier in Wien sehr vieles genau so funktioniert. Wichtig ist, dass der Schein gewahrt bleibt, wie die Sache danach wirklich geschieht, ist vollkommen egal. Wichtig ist, dass es viele grüne Logos gibt, wichtig ist, dass Wien als grüne Stadt wahrgenommen wird, wichtig ist, dass Wien so oft wie nur möglich im Zusammenhang mit dem Wort »öko« in der nationalen und internationalen Presse vorkommt.

»So eine Tonne ist ja keine Sache...« mag sich die/der Eine oder Andere denken, das ist allerdings so nicht ganz richtig. Ich habe in meiner Schulzeit bei einer Exkursion so eine Maschine gesehen, die Objekte dieser Größe im Kunstoff-Spritzguss-Verfahren herstellt. Das sind ungeheuer große Maschinen mit enormen Energieverbrauch. Und wenn man sich ausrechnet, wie viele Mülleimer in so einer Stadt wie Wien pro Jahr zu reparieren wären, aber nicht repariert, sondern ausgetauscht werden, dann reden wir hier von einem ziemlich schlimmen ökologischen Fußabdruck.
So wird das eher nix, mit Wien als Öko-Vorzeige-Stadt...

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(C) mArtin, im Mai 2022.
Und ich bin wirklich nicht immer stolz darauf.
Manchmal aber sehr wohl.


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