Donnerstag, 02. September 19:50
Derzeit haben es Bahnfahrer, die nach Deutschland fahren möchten, gar nicht so einfach. Die Deutsche Bahn streikt. Wieder einmal. Die Umstände in Deutschland, speziell bei den Gewerkschaften für die Bahn, sind nicht so einfach zu erklären – wichtig zu wissen ist allerdings, dass es bei der Bahn zwei getrennte Gewerkschaftsorganisationen gibt, eine große (~185.000 Mitglieder) und eine kleinere (~37.000 Mitglieder). Und diejenige, die streikt, ist die... kleinere, die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer. Und deren Chef, Claus Weselsky, wird nachgesagt, dass er lediglich aus einem einzigen Grund seine Mitglieder in den Streik treten lässt, nämlich um seinen Posten als Chef zu sichern.

Ob es sich dabei wirklich so verhält, ist meiner Meinung nach zweit- oder gar drittrangig. Viel interessanter ist es da schon, wie viel ein Lokführer eigentlich verdient – und ob sich da ein Grund für einen Streik erkennen lässt. Die Deutsche Bahn bezahlt ihre Lokführer gemäß eines Tarifvertrages, ganz ähnlich, wie in Österreich. Dieser sieht für eine 40-Stunden-Woche 1.500,- bis 1.900,- Euro netto (inklusive möglicher Zulagen!) vor. Das klingt nicht nur nach nicht besonders viel, sondern ist es auch.

Wenn man bedenkt, dass Lokführer zu Pandemiebeginn zu jenen Leuten, die in der kritischen Infrastruktur tätig – und damit unverzichtbar – sind, gezählt wurden, dann ist das noch weniger. Es scheint in unserer Gesellschaft ein Grundsatz zu gelten: Um so wichtiger der Job in Wirklichkeit ist, je weniger soll man Geld gezahlt bekommen. Bei den Pflege- und Reinigungskräften konnte man das sehen oder auch beim Einzelhandelspersonal. Dafür bekommt man aber etwas ganz unbezahlbares: Applaus! Applaus ist also nicht nur das Brot des Künstlers, er gerät auch in den wirklich wichtigen Jobs unserer Gesellschaft immer mehr zum Zahlungsmittel.

Wenn Du also bei Deinem nächsten Einkauf beim Bäcker einen Mann an der Theke laut klatschen und johlen hörst, dann: keine Panik. Das ist wahrscheinlich nur ein Eisenbahner beim Bezahlen seiner Semmerln...

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(C) mArtin, im Oktober 2021.
Und ich bin wirklich nicht immer stolz darauf.
Manchmal aber sehr wohl.


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