Donnerstag, 25. Juni 20:20
Jeder, wirklich jeder Bastler kennt WD40 oder MOS2 (in der Wirkung sind die beiden Sprays ziemlich ähnlich). Ich bin eigentlich sogar versucht, zu sagen: »Wer diesen Spray nicht kennt, ist gar kein echter Bastler.« Ich wurde in die speziellen Fähigkeiten von solchen Sprays schon vor über 45 Jahren von meinem Vati eingeführt: Wenn sich irgendwas, was sich bewegen soll, nicht mehr bewegt, dann ist WD40 schon einmal ein guter Anfang. Tatsächlich ist WD40 ein bisserlbisserl


»a bisserl« = weniger. Noch ein wenig weniger, als wenig.

Am wenigsten wäre dann ein »E u z e r l«.

Aber das ist dann schon so wenig, dass es - jetzt rein in Bezug auf die Menge - fast mit dem »Lecherlschas« in Konkurrenz tritt.
so etwas wie »Blitzo« von Pirron und Knapp. Etwa eine Dose pro Jahr ist mein durchschnittlicher Bedarf an diesem Supermittel.

Wobei ich diesen Spray – doch das darf man gar nicht laut sagen – durchaus auch in der Tontechnik verwende. Wenn zum Beispielt ein Mischpult zu kratzen beginnt, dann ist das eine sehr ungute Sache. Leider lässt sich dies praktisch nicht verhindern. Nach 15 bis 20 Jahren setzen die Fader und Potentiometer im Pult ganz einfach Beläge auf den Schleifbahnen an. Diese hört man beim Betätigen durch dieses hässliche Kratzen im Ton. WD40 direkt in die Regler, dieselben 20 Mal hinauf und hinunter geschoben (bzw. links und rechts gedreht), und das Pult ist wieder wie neu. In einschlägigen Foren wird behauptet, dass solch eine Prozedur das Mischpult zerstören könnte – dies halte ich für eine Legende von Dummquatschern. Dutzende Mischpulte haben ich bereits auf diese Art »repariert« – kein einziges hat dadurch einen Schaden davongetragen – ganz im Gegenteil: Die ältesten Trümmer laufen immer noch.

Aber heute, das gebe ich ohne Umschweife zu, habe ich ziemlich gefährliches Gebiet betreten.
Der Hintergrund: Seit ein paar Wochen habe ich auf den Aufnahmen immer wieder seltsame Störgeräusche. Nicht wirklich laut aber für mich dennoch sehr störend. Alles habe ich probiert, die Phantomspeisung ausgetauscht, das Pult ausgetauscht, Kabel und Mikrofon getauscht – nichts hat sich verändert. Das Geräusch ist immer da, wenn ich mit einem Kondensator-Mikro (mit Phantomspeisung) aufnehme.

Dann kommt mir heute Vormittag die Idee: Was, wenn genau das Gleiche bei den Mikrofonen passiert ist, wie bei den Mischpulten? Schließlich ist auch dort eine Verstärker- und Betreibeeinheit eingebaut, die ebenfalls unter Spannung steht. Die Potentiometer im Mikro könnten schließlich genau so oxidiert sein, wie jene im Mischpult?!

Also die Mikrofone zerlegt, und ... ja, da war schon ein recht mulmiges Gefühl dabei, denn wenn ich da ein bisserlbisserl


»a bisserl« = weniger. Noch ein wenig weniger, als wenig.

Am wenigsten wäre dann ein »E u z e r l«.

Aber das ist dann schon so wenig, dass es - jetzt rein in Bezug auf die Menge - fast mit dem »Lecherlschas« in Konkurrenz tritt.
daneben sprühe, dann sind gut 1.000,- Euro im Eimer, denn so viel kostet heute ein gebrauchtes AKG C414 B ULS...

Danach das Mischpult aufgedreht, die Mikros angehängt, Phantomspeisung an, und... Ahhh. Stille. Außer meiner Stimme höre ich nichts mehr.
Wieder eine gelungene Operation am offenen Herzen.

3 Kommentare


(C) mArtin, im Juli 2020.
Und ich bin wirklich nicht immer stolz darauf.
Manchmal aber sehr wohl.


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