Montag, 22. Juni 20:40
Gefühlt waren es Jahre, die ich ohne ordentlichem Kaffee auszuhalten hatte, in Wahrheit waren es einige Monate – genauer gesagt: zehn davon. Mit einer Generalrestaurierung meiner Kaffeemaschine im August des Vorjahres hatte es begonnen. Die Maschine war wie neu – der Kaffee aber war danach nicht wieder der Alte. Irgendwas hatte gefehlt. Also nicht irgendwas, sondern etwas Essenzielles: die Crema. Und ein Espresso ohne Crema ist wie eine Blume ohne Blüte: fad. Wenn die Bohne vielleicht auch nicht die allerbeste ist, eine feine Crema kann da einiges reparieren.

Reparaturen dauern bei mir immer ziemlich lange, da es immer etwas dauert, bis ich Sachverhalte exakt kapiere. Eigentlich ist bei meiner Maschine doch jetzt alles in Ordnung, alles wie neu. Und komplett geputzt habe ich sie ebenfalls. Was könnte da also noch defekt sein? Es hat wirklich Monate gedauert, bis es mir ganz langsam dämmerte: Der gemahlene Kaffee hat in den Jahren am Rand des Brühsiebs ganz kleine, feine Rillen geschliffen. Durch diese feinen Rillen kann der Druck, der sich über dem Pulver aufbauen soll, seitlich entweichen. Das verhindert zum 1. das korrekte durchströmen des Kaffees und damit zum 2.) natürlich auch die Crema.

Ich wollte es lange nicht wahrhaben: Ein neues Brühsieb mit Halterung muss her. Das ist für diese alte Maschine jedoch nicht mehr zu bekommen. Bis ich bei einem Anbieter in Deutschland einen Nachbau dieses Brühhalters gefunden habe. Normalerweise haben Nachbauten so ihre Tücken und funktionieren manchmal nicht so, wie das Original. Ein leichtes Bauchweh war also schon dabei, beim Bestellvorgang.

Heute Vormittag liegt das neue Teil vor mir und macht einen ziemlich guten Eindruck auf mich. Ich kann es kaum bis gar nicht vom Original unterscheiden. Also noch ein paar Mal gewaschen und leer mit heißem Wasser durchlaufen lassen und danach ... der erste Espresso. Der erste echte Espresso nach fast einem Jahr mit Ersatzkaffee.
Die 29,85 Euro haben sich also voll bezahlt gemacht.

4 Kommentare


(C) mArtin, im Juli 2020.
Und ich bin wirklich nicht immer stolz darauf.
Manchmal aber sehr wohl.


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