Freitag, 15. Mai 20:20
Was haben wir bis jetzt in der oder durch die Krise eigentlich gelernt?
Eigentlich schon ganz schön viel. Zum Beispiel, dass wir Flüge nach Mallorca um 9,90 € nicht unbedingt zum Leben brauchen. Auch einige andere solcher, ganz ähnlicher, Dinge haben wir derzeit nicht – und es vermisst sie anscheinend niemand so richtig. Was man sich vor Covid-19 gar nicht vorstellen konnte.

Wir haben auch gelernt, dass es einige Menschen gibt, die schon unter normalen Umständen so sehr am Limit leben mussten, dass sie ihr Leben jetzt, in der Krise, kaum noch leben können: Die Künstler. Wenn man bedenkt, dass im österreichischen Kunst- und Kulturbetrieb mehr Menschen Arbeit finden als in der Branche der Autobauer oder dass das BIP von Österreich zu einem erheblichen Teil von Kunst und Kultur abhängig ist, dann mutet es schon seltsam an, dass gerade diese Sparte bei all den Pressekonferenzen zur Krise bisher kaum Erwähnung fand. Insofern finde ich die Wutrede von Lukas Resitarits in der ZIB2 durchaus richtig und berechtigt.

Dass Ulrike Lunacek auf all die Vorwürfe mit ihrem heutigen Rücktritt reagiert, ist nicht unbedingt als Erfolg zu werten, erst die Zukunft wird zeigen, was jetzt kommt – und meistens kommt nix besseres nach, wie ein altes Sprichwort sagt.

Die Diskussion ist meiner Meinung nach auch zu eng gefasst. Es sind nicht nur Menschen aus dem Kunst- und Kulturbetrieb, die in prekären Verhältnissen leben müssen, es gibt da viele Bereiche, wo sich dies so verhält. Im englischen nennt man dies »the working poor«, also Menschen die sehr wohl einen Job haben, von ihrem Einkommen aber nicht leben können. Das betrifft bei uns zum Beispiel auch die Pflege. Warum benötigen wir zu Tausenden Menschen aus dem Ausland, die uns pflegen? Weil nix gezahlt wird. Warum benötigen wir zu Tausenden Menschen aus dem Ausland, die unsere Ernten einfahren? Weil nix gezahlt wird. Warum benötigen wir zu Tausenden Menschen aus dem Ausland, die unsere Schweine und Rinder zerlegen? Richtig! Weil nix gezahlt wird. In praktisch jeder Branche würden wir ähnliche Beispiele finden. Die einzigen mir bekannten Ausnahmen sind Immobilienmakler und Vermögensberater. Da brauchen wir keine Ausländer, (denn da wird zu viel bezahlt).

Gut, wir wüssten jetzt also, dass da irgend etwas nicht stimmt. Was, das müsste man ergründen. Dazu müssten aber alle miteinander sprechen. Und das wird eher nicht geschehen. Oder vielleicht doch...?

Aber wir haben jetzt schon eines gelernt: Man spricht es Karantäne und nicht Kwarantäne aus. Das hat uns Onkel Föttinger bei seiner Pressekonferenz beigebracht. Als Grund dafür sagt er: »...man sagt ja auch Köö und nicht Kwöö
Aha. Das soll mir als Begründung reichen...?

2 Kommentare


(C) mArtin, im Juni 2020.
Und ich bin wirklich nicht immer stolz darauf.
Manchmal aber sehr wohl.


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