Donnerstag, 19. März 20:00
Es grenzt eigentlich schon an Euphemismus, wenn ich hier schreibe, dass ich doch ein wenig stolz auf unsere Regierung bin.
Wenn man vergleicht, wie andere Regierungen in Europa mit dieser weltweiten Krise umgehen, dann darf man das aber durchaus auch einmal sagen. Ehre, wem Ehre gebührt.

Es werden in solch schwierigen Situationen immer auch jene Momente kommen, wo niemand genau weiß, was Sache ist – weil man einfach über kein gesichertes Wissen verfügt. Genau dann ist Fingerspitzengefühl gefragt. Und das hat unsere Regierung wirklich bewiesen. Die Maßnahmen mögen vielleicht ein wenig drastisch anmuten, vor allem, weil ja Covid-19 im Vergleich zu einem normalen Grippevirus eine so geringe Mortalitätsrate hat. Das mag stimmen. Nach allen Statistiken liegt diese bei rund einem Zehntel der Grippe. So mag sich manch Eine|r denken, dass an der Grippe 1500 Menschen in Österreich sterben und an Covid-19 dann eben nur 150.

Genau da liegt der Denkfehler. Die Grippe hat eine Inkubationszeit von wenigen Stunden bis (normalerweise) maximal 24 Stunden. Das heißt also, wenn jemand an Grippe erkrankt, dann merkt und weiß er|sie das auch ziemlich bald.
Bei Covid-19 ist die Inkubationszeit wesentlich länger. Zwischen 14 und 20 Tage liegen derzeit die Schätzungen der Wissenschaftler. Das ist der Umstand, der Covid-19 so gefährlich macht. Ein Infizierter kann also bis zu drei Wochen unerkannt umherlaufen und jede Menge andere Personen infizieren. Wenn die meisten von diesen Personen auch nicht besonders leiden werden, da der Krankheitsverlauf sehr oft auch ziemlich unspektakulär sein kann, so trifft es manche Menschen eben ziemlich hart. Und bei derart vielen möglichen infizierten Personen ist auch eine so kleine Mortalitätsrate ein großes Risiko. Denn hat man in einem Land wie Österreich einmal 60% infizierte Personen – was, wenn man nichts gegen eine Ausbreitung unternimmt, unglaublich schnell gehen kann – dann hat man auch eine entsprechende Anzahl von schweren Verläufen.

Bei uns wären das dann ungefähr 5,3 Millionen Infizierte, davon (etwa 14%) 740.000 Patienten mit einem schweren Verlauf. Da unser Gesundheitssystem dies beim besten Willen nicht zu leisten imstande ist, würde auch die Mortalitätsrate sicher stark ansteigen. Unter normalen Umständen beträgt diese bei Covid-19 etwa 3 - 4,4% – bei unserer Rechnung wären das also 32.500 Tote. Die Nichtbehandlung der meisten Fälle ist hier allerdings nicht berechnet. Da müsste man nach Italien schauen, dort ist das Gesundheitssystem bereits überfordert und es wird derzeit von zumindest einer Rate bei 7,8% gerechnet – für unser Beispiel wären das dann also knapp 60.000 Tote.

Diese Zahlen sehen also ganz anders aus, als jene bei der Grippe.
Daher mache auch ich – obwohl mir selber praktisch keine Gefahr droht – bei allen Verordnungen unserer Regierung gerne mit.

Übrigens: Hier ist eine Tabelle, an welcher man gut die Unterschiede zwischen Covid, Grippe und Erkältung sehen kann!

4 Kommentare


(C) mArtin, im April 2020.
Und ich bin wirklich nicht immer stolz darauf.
Manchmal aber sehr wohl.


Da einige meiner Texte ohnehin bereits an anderer Stelle verwendet wurden/werden, dürfen sie also unter Angabe der Quelle auszugsweise verwendet werden. Bitte aber den passenden Link zum entsprechenden Beitrag im Rahmen der Zitat-Kennzeichnung kopieren und einfügen. Denn irgendwann möchte ich auch reich und berühmt werden. Oder auch nicht. Herzlichen Dank und weiterhin viel (Lese-)Freude!