Freitag, 13. März 18:00
In Bezug auf Arbeit und Tätigkeiten läuft in meinem Leben eigentlich alles ziemlich genau so, wie ich es mir vorstelle. Ich muss nichts missen, kann machen, was ich gerne mache – und ganz passabel davon leben. Dass ich damit ein ganz großes Glück habe, ist mir klar. Dass ich damit zu den Privilegierten unserer Gesellschaft gehöre, ebenfalls. Oft, eigentlich sogar immer öfter, begegnen mir Menschen, die all das nicht können. Die, um von dem, was sie verdienen, leben zu können, Unterstützung benötigen. Unterstützung zumeist vom Staat. Und das ist halt so eine Sache. Sehr schnell kommen einem da die von der Politik und von den verantwortlichen Leuten ausgesprochenen Worte und Sätze in den Sinn, wie: »Sozialschmarotzer« oder »die soziale Hängematte«.

Ja, es gibt sie, jene Leute, die es sich auf dem Rücken der Anderen gut gehen lassen. Aber 1.) sind sie nach allen Untersuchungen in den verschiedensten Ländern die absolute Minderheit und 2.) sehen sie anders aus, als man sich das so vorstellt. In den Augen unserer Gesellschaft sind es ja jene Leute, die sich um Essen bei der Tafel anstellen, vor dem Supermarkt betteln oder gepfändet werden. Das ist aber in den allermeisten Fällen falsch. Es ist einfach Fakt, dass genau jene Arbeitsplätze, die von Nöten wären, um das Leid der ärmsten Schicht unserer Gesellschaft zu lindern, jene sind, die am meisten im Zuge der Digitalisierung verschwinden.

Über dieses Thema gab es diese Woche einen wunderbaren Film auf 3SAT, den ich nur empfehlen kann. Der großartige Ken Loach drehte 2016 den Streifen »Ich, Daniel Blake«. Er handelt von einem älteren Tischler, der durch einen Herzinfarkt dazu gezwungen ist um Unterstützung zu bitten. In Großbritannien ist das Sozialsystem noch um einiges schärfer als in Österreich – da es teilweise privatisiert(!) wurde. Der Film endet tragisch, der Protagonist stirbt an einem weiteren Herzinfarkt – und die Rede, mit welcher er vor einer Anhörung Widerspruch einlegen wollte, da ihm keine Unterstützung zuteil werden sollte, hält eine Freundin vor seinem Sarg.

Mich hat diese Rede ziemlich ergriffen und ich kann sie gut verstehen. Daher habe ich sie hier transkribiert:

Ich bin weder ein Klient, ein Kunde, noch ein Leistungsempfänger. Ich bin kein Drückeberger, kein Schnorrer, kein Bettler und kein Dieb, keine Sozialversicherungsnummer und kein Pünktchen auf dem Bildschirm.

Ich habe meine Beiträge gezahlt, niemals einen Penny zu wenig und darauf bin ich stolz. Ich werfe mich nicht vor anderen in den Dreck. Ich schaue meine Nachbarn an und helfe ihnen, wenn ich kann. Nach Almosen zu trachten ist mir fremd.

Ich heiße Daniel Blake, ich bin ein Mensch und kein Hund, als solcher verlange ich mein Recht. Ich verlange respektvollen Umgang.
Ich, Daniel Blake, bin ein Bürger, nicht mehr und nicht weniger.

Danke.


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(C) mArtin, im April 2020.
Und ich bin wirklich nicht immer stolz darauf.
Manchmal aber sehr wohl.


Da einige meiner Texte ohnehin bereits an anderer Stelle verwendet wurden/werden, dürfen sie also unter Angabe der Quelle auszugsweise verwendet werden. Bitte aber den passenden Link zum entsprechenden Beitrag im Rahmen der Zitat-Kennzeichnung kopieren und einfügen. Denn irgendwann möchte ich auch reich und berühmt werden. Oder auch nicht. Herzlichen Dank und weiterhin viel (Lese-)Freude!