Dienstag, 03. März 19:50
Es ist nicht nur ein sehr guter Song, den ich Dir heute vorstellen möchte, sondern auch noch ein wunderbares Dokument einer ganz besonderen Spezialität unter Musikern: Der Song Fairy Tales, gesungen (und geschrieben) von Anita Baker.

Jeder Musiker, wirklich jeder Musiker, der schon einmal live mit Band vor Publikum aufgetreten ist, kennt folgende Situation: Ein Song ist prinzipiell zu Ende, jedoch weiß niemand der Mitmusiker so ganz genau, wie das Ende gespielt wird, wie man den Song beenden soll. Solche Situationen entstehen vor allem bei solchen Songs, die »eh allen klar sind«, die man also nicht extra noch einmal im Proberaum üben muss. Oft bestehen solche Songs lediglich aus einer einzigen Groove, die in drei oder vier verschiedenen Tonlagen gespielt wird. Da streiken die Musiker im Proberaum nicht selten und der Gitarrist meint dann meistens: »Da ist eh alles klar, das müss' ma nicht extra üben...!«

Und dann spielt man das Konzert vor Publikum und hat den Scherm auf.

So eine Situation hat dabei gar nichts mit fehlendem Können zu tun, das kann wirklich jedem passieren, in jeder Preisklasse. Schon bei wirklichen Musikgrößen habe ich auf der Bühne so eine Situation erlebt, wo sich dann alle Musiker gegenseitig mit fragenden Blicken ansehen – und klar geht aus den Gesichtern der Band aus: »Wir sind in der Germ – und wissen nicht, wie man raus kommt!«

Daher gefällt mir der Song von Anita Baker so wunderbar. Gegen Ende der knapp acht Minuten spielen die Musiker komplett planlos dahin und wissen absolut nicht, wie aufzuhören ist. So lange, bis der Schlagzeuger sein Herz in die Hände nimmt und die Peinlichkeit mit einem völlig unreflektiertem Break abrupt beendet. Herrlich!

Nur, damit da keine Fragen von wegen Talent aufkommen: Am Piano sitzt tatsächlich Greg Phillinganes, an der Gitarre Earl Klugh und am Bass spielt (garantiert stehend) tatsächlich der liebe Gott des tiefen Tons persönlich: Nathan East!

1 Kommentare


(C) mArtin, im April 2020.
Und ich bin wirklich nicht immer stolz darauf.
Manchmal aber sehr wohl.


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