Donnerstag, 06. Februar 19:30
Ich weiß jetzt nicht ganz genau, ob ich bereits darüber geschrieben habe oder doch nicht. Aber egal, es ist für die Techniker unter uns auf jeden Fall interessant.

Folgendes ist mir im letzten Sommer untergekommen: Ich fahre mit dem Fahrrad beim Bahnhof Unterpurkersdorf vorbei, wo genau zu diesem Zeitpunkt eine E-Lok abfährt. Da der Bahnhof etwa zehn Meter über mir liegt, kann ich nicht sehen, welche Lok da fährt – aber: hören kann ich sie, und wie! Sie singt. Während die hörbar schwere Lok anfährt, summt sie lauthals vor sich hin – und zwar: ganz exakt eine chromatische Tonleiter!

Ich bin verblüfft. Mein Gehör läßt zwar mit meinem fortschreitenden Alter ein wenig nach aber in Punkto Tonempfinden ist das Gegenteil der Fall. Meine Fähigkeiten, musikalisch zu hören wurden mit den Jahren immer besser und mehr. Diese Tonleiter war klar hörbar und ohne Fehler. Eine Oktave. Eine klar und sauber gesungene Oktave.
Zu Hause angekommen habe ich sofort in Guckl nachgesehen, ob ich da was finden könnte. Leider ohne Erfolg.

Gestern fahre ich auf der Strecke direkt neben den Abstellgleisen der Firma Plasser & Theurer. Dort steht öfters ein geparkter Zug – in etwa sieben Metern Abstand von meinem Weg. Und als ich direkt auf Höhe der Lok bin, fährt dieser Zug ab. Und wieder: Die Lok singt diese wunderschöne, exakte Tonleiter. Diesmal kann ich die Lok auch sehen: Es ist eine Siemens Taurus, die wohl schönste (und vor allem stärkste) E-Lok aus Serienproduktion.

Diesmal bin ich bei der Suche erfolgreich.

Und ein Techniker (Danke an Thomas Rieder) liefert bei den Kommentaren auch gleich die Erklärung: »Das Geräusch, das beim Anfahren aus dem Leerlauf entsteht, erinnert an eine auf einem Saxophon gespielte Tonleiter. Es entsteht in den Fahrmotoren durch die Ansteuerung aus den Traktionswechselrichtern und ist in etwa in der doppelten Frequenz zum Strom. Die Frequenz änderst sich dabei in Halb- und Ganztonschritten von d bis d" über zwei Oktaven. Das gilt nur für die Baureihen 182, 1016 und 1116; die Dreistrom-Varianten können nicht mehr "singen".«

2 Kommentare


(C) mArtin, im Februar 2020.
Und ich bin wirklich nicht immer stolz darauf.
Manchmal aber sehr wohl.


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