Montag, 13. Jänner 19:20
Eine besonders interessante Geschichte. Insofern ist es eigentlich keine Geschichte, da sie wirklich geschehen ist.

Ein Medikament aus der Gruppe der Psychopharmaka soll neu zugelassen werden. Dazu benötigt es nach zahlreichen Tierversuchen auch die Versuche an Menschen. In – vom Ablauf her – festgelegten Studien werden Patienten mit diesem Medikament behandelt, um den Erfolg nachweisen zu können. In diesem Fall handelte es sich um ein Medikament gegen Depressionen.

Bei der Studie nimmt auch ein junger Mann teil, der an einer sehr schweren Depression leidet. Sein Leiden ist derart hoch, dass er in der Teilnahme die letzte Rettung sieht. Bei der Medikamenten-Ausgabe bekommt er die Ration für einen Monat. Er fährt nach Hause und hat dort einen starken Depressions-Schub mit Suizidgedanken. Er nimmt die komplette Ration des Mittels (als alle Pillen) in der Absicht, sich zu töten. Er wird schnell ohnmächtig und seine Vitalfunktionen nehmen zusehends ab. Er wird entdeckt und ins Krankenhaus auf die Intensivstation gebracht. Dort ist er dem Ende seines Lebens bereits sehr nahe.

Der Mann ist aber nicht mehr ansprechbar, daher kann niemand sagen, wodurch er vergiftet wurde und wie man vorgehen soll. Die Ärzte geben allerdings nicht auf. Da sie seinen Namen kennen, stellen sie bei ihren Nachforschungen fest, dass der junge Mann Teilnehmer bei ebendieser Studie des Medikaments ist. Sie fordern die passenden Unterlage an... und staunen nicht schlecht:

Ja, der Mann ist bei der Studie dabei. Ja, der Mann hat eine Ration für einen ganzen Monat bekommen und alle Pillen geschluckt.
Aber – und das ist wirklich erstaunlich – der junge Mann ist in der Kontrollgruppe! Das heißt, er hat eine Ration Milchpulver geschluckt. Er hat also etwa ein halbes Glas Milch zu sich genommen.

Es gelingt den Ärzten, den Mann aufzuwecken und ihm mitzuteilen, dass er nur Milchpulver geschluckt hat und daher nicht sterben kann.
Binnen Minuten normalisieren sich alle lebensnotwendigen Funktionen und der Mann ist physisch wieder ganz gesund.

Was kann uns das mitteilen?

Es ist genau das, was man schon länger vermutet aber kein Arzt wirklich zugeben möchte: Der Placebo- (»ja, das wird funktionieren!«) und der Nocebo-Effekt (»nein, das funktioniert sicher nicht!«) sind weit wichtiger als immer angenommen.
Wenn die Psyche aus irgendeinem Grund möchte, dass etwas (nicht) funktioniert, dann kann selbst die beste Chemie chancenlos sein. Wenn Du der Meinung bist, dass Dir ein Schmerzmittel nicht hilft, dann wird es Dir nicht helfen. Auch wenn alle Wissenschaftler der Meinung sind, dass dies nicht möglich ist.

Was kann uns dies weiter mitteilen?

Auch etwas, was wir schon lange ahnen aber ebenfalls niemand zugeben möchte: Nicht der Arzt ist der beste, der über alle Krankheiten und Medikamente Bescheid weiß, sondern der, der Dir zuhört. Zuhören wird allerdings in unserem Kassensystem nicht bezahlt. Wir glauben nicht an die Kraft der Psyche sondern ausschließlich an die Kraft der Chemie.

Schade eigentlich...

2 Kommentare


(C) mArtin, im Jaenner 2020.
Und ich bin wirklich nicht immer stolz darauf.
Manchmal aber sehr wohl.


Da einige meiner Texte ohnehin bereits an anderer Stelle verwendet wurden/werden, dürfen sie also unter Angabe der Quelle auszugsweise verwendet werden. Bitte aber den passenden Link zum entsprechenden Beitrag im Rahmen der Zitat-Kennzeichnung kopieren und einfügen. Denn irgendwann möchte ich auch reich und berühmt werden. Oder auch nicht. Herzlichen Dank und weiterhin viel (Lese-)Freude!