Hamburger Abendblatt -------------------- Nackter Mann sorgt für Ärger Salzburg - Ein Kunstwerk mit einer nackten Männerfigur hat in Salzburg die Gemüter erregt. Die Skulptur namens "Arc de Triomphe", die einen nackten Mann mit erigiertem Penis zeigt, sollte am Freitagabend vor dem Museum der Moderne Rupertinum präsentiert werden. Während des Aufbaus durch die Künstlergruppe Gelatin empörten sich Passanten und Politiker über die Darstellung. Auf Betreiben von Bürgermeister Heinz Schaden wurde die Skulptur verhüllt. Rupertinum-Direktorin Agnes Husslein war schockiert über das Vorgehen der Politik: "Kunst muss frei sein." Die Figur mit einer fleischfarbenen Plastilin-Haut beugt sich zurück und formt so einen Bogen. In einem zweiten Bogen sprudelt Wasser aus dem Penis der Figur, der Mund fungiert als Auffangbecken. erschienen am 26. Jul 2003 in Kultur / Medien =========================================================================================== Süddeutsche Zeitung ------------------- Mitten in Salzburg Ruhig Blut! Es gibt ja in diesen Tagen, in denen sich Salzburg im Festspiel-typischen Erregungszustand befindet, schon genug Theater. Prinz Charles reist in die schwülheiße Stadt, und die für den Besuch zuständigen Hofräte und der Adel stehen Kopf. Nun sind auch die Lokalpolitiker in Rage geraten. Noch vor der offiziellen Eröffnung der Festspiele gibt einen schönen Skandal, wie die Salzburger Nachrichten nicht ohne Erleichterung feststellen. Der Grund der öffentlichen Erregung steht vor dem Festspielhaus, etwa drei Meter hoch, fleischfarben und verklumpt wie ein ausgespuckter Riesenkaugummi. Es handelt sich um die Skulptur eines nackten Mannes mit beachtlichem Phallus, aus dem am Freitagmorgen Wasser- fontänen spritzen in den Mund der Figur, die seltsam gekrümmt auf allen Vieren steht und dem Volk ihr Hinterteil zuwendet. "Arc de Triomphe" heißt das Werk, von vier österreichischen Künstlern der Gruppe Gelatin. Einheimische und Touristen stehen vor der Statue und diskutieren die Verschandelung ihrer Stadt, beziehungsweise die künstlerische Aufwertung des Max-Reinhardt-Platzes. "Unfassbar, eine ganz gemeine Sauerei", schreit ein gepflegter Herr, der den "Gipfel der Geschmack- losigkeit" seit einer Stunde fasziniert anstarrt. Die Kameraleute des ORF sind begeistert. Dann ist der Skandal schnell wieder vorbei, besser: doppelt verborgen hinter grüner Folie und gelben Brettern. Auf Anweisung eines Bauamtleiters, der die Direktorin des Museum Rupertinum, Agnes Husslein, in einem Wutanfall "präpotent" nannte, fährt ein Kran vor. Städtische Ange- stellte rücken dem Kunstwerk zu Leibe. Kurzzeitig droht eine Eskalation des Penis-Streits, weil sich die Künstler schützend vor ihr Werk stellen. Doch die Behörden schrecken dann doch davor zurück, die Skulptur komplett abzureißen, wär’ ja schlecht fürs Image der Weltstadt Salzburg. Es ist fast ein Happening als sich die Museumschefin mit den Vizebürgermeistern verbale Schlagabtausche liefert und dabei die Feuerwehr den spritzenden Phallus verhüllt. "Das ist wahrscheinlich der Höhepunkt der Festspiele, fabelhaft", sagt Lisa Dennison, Vize-Chefin des New Yorker Guggenheim-Museums, die in Salzburg weilt: "Ich finde sie schrecklich, aber die Figur sollte hier bleiben. Man muss für die Freiheit der Kunst kämpfen." Kämpferisch auch Museumschefin Husslein: "Wir werden uns dem Druck der Bürokraten nicht beugen, sondern das Kunstwerk ein paar Meter verschieben, in den Hof des Rupertinums. Dort kann uns keiner Vorschriften machen." Schade, dass das Drama so schnell endet - welche Inszenierung wäre das gewesen - das elegante Festspielpublikum in den Opernpausen vor dem "Arc de Triomphe"... CHRISTIAN MAYER =========================================================================================== APA --- Salzburg: "Skandal-Skulptur" verhüllt Die nackte Männerskulptur mit erigiertem Penis auf dem Max-Reinhardt-Platz vor dem Museum der Moderne Salzburg Rupertinum sorgt weiter für Aufregung. Entrüstete Spitzen der Stadtpolitik von SPÖ, ÖVP und FPÖ wollten dieses "skandalöse" Objekt von der Feuerwehr entfernen lassen, was aber am Widerstand der Künstler der Gruppe Gelatin scheiterte, die sich auf ihr Werk setzten. Schließlich wurde die Figur des "Arc de Triomphe" mit grauem Plastik verhüllt. Die Basis dieses Werkes von der Gruppe Gelatin ist aus Hölzchen, Einrichtungsresten und Spucke zusammen genagelt, während die sie krönende menschliche Figur, die ganz körperlich eine Brücke zwischen den beiden Torsäulen schlägt, eine fleischfarbene Plastilinhaut zur Schau trägt. Zu allem barocken Überfluss ist der Triumphbogen auch noch mit einem Brunnen gepaart, so dass der pudelnackte Mann als "geschlossenes System" - zugleich als Wasser- spender aus dem Penis und Auffangbecken im Mund fungiert. "Dummer PR-Gag" oder Kunst? Es handle sich bei dieser Skulptur um einen dummen PR-Gag von Rupertinum-Direktorin Agnes Husslein-Arco, meinte Bürgermeister Heinz Schaden (S). Die Fantasien Hussleins sollten nicht öffentlich zur Schau gestellt werden. "Die Art der Darstellung sprengt alle Formen der öffentlichen Kunst", kommentierten Vizebürgermeister Karl Gollegger (V) und Siegfried Mitterdorfer (F) die Skulptur. Diese drei Herren waren es auch, die das "skandalöse" Werk entfernen lassen wollten, weil angeblich keine Genehmigung dafür vorhanden gewesen sei. "Stimmt alles nicht", konterte Husslein bei einer Pressekonferenz. Sie hätte alle notwendigen Genehmigungen erhalten und selbst am Montag habe noch eine Begehung stattgefunden, bei der nichts beanstandet worden wäre. "Kunst muss frei sein. Ich bin schockiert über das Vorgehen einzelner Politiker", so Husslein, von der nach eigenen Angaben die Idee zu dem Projekt stammt, für das sie die volle Verantwortung übernimmt. "Die Freiheit der Kunst steht über allen Dingen. Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten", meinte Kulturlandesland Othmar Raus (S). Die ursprünglich für den Abend vorgesehene öffentliche Präsentation fand - unter teilweiser Entrüstung (vor allem der verantwortlichen Politiker) und zum Gaudium vieler Zuseher - schon am Vormittag statt. "Schad’ drum - versteh die Aufregung überhaupt nicht", meinte eine etwas betagte Dame, die über die Skulptur nur schmunzeln konnte. "Ach was, da müsste ja auch im Zwergerlgarten (im Mirabellgarten) alles verhängt werden." - "Da sind halt die Dinger (Penisse) etwas mickriger und vielleicht stören sie deshalb niemanden", meinte eine andere Dame. "Sollten’s halt gleich sämtliche antike Figuren verhängen. Oba bei nackten Frauenstatuen - vielleicht noch mit großen Brüsten - regt sich keiner der Herren auf", ein weiterer weiblicher Kommentar. "Da hobst völlig recht ghobt, des Zeig gheat weg", so ein entrüsteter Herr zu den anwesenden Politikern. "Spricht wohl der Neid aus Ihnen", konterte ein lachender 40er. =========================================================================================== Neues Volksblatt ---------------- Öffentliche Erregung zum Festspiel-Start Eine nackte Männerskulptur mit erigiertem Geschlechtsteil vor Museum Rupertinum und Kleinem Festspielhaus auf dem Max-Reinhardt-Platz in Salzburg hat gestern vor der Eröffnung der Festspiele für Aufregung gesorgt. Die Figur schlägt eine Brücke zwischen zwei Torsäulen und ist mit einem Brunnen gepaart, sodass der pudelnackte Mann als "geschlossenes System" zugleich als Wasserspender aus dem Penis und Auffangbecken im Mund fungiert. Entrüstete Spitzen der Stadtpolitik von SPÖ, ÖVP und FPÖ wollten das "skandalöse" Objekt von der Feuerwehr entfernen lassen, was aber am Widerstand der Künstler der Gruppe Gelatin scheiterte, die sich auf ihr Werk setzten. Schließlich wurde die Figur "Arc de Triomphe" mit grauem Plastik verhüllt. - Es handle sich um einen dummen PR-Gag von Rupertinum- Direktorin Agnes Husslein, meinte Bürgermeister Heinz Schaden (S). Hussleins Fantasien sollten nicht öffentlich zur Schau gestellt werden. "Die Freiheit der Kunst steht über allen Dingen. Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten", meinte dagegen sein Kulturlandesrat Othmar Raus (S). Husslein konterte, sie hätte alle Genehmigungen für die Aufstellung erhalten, bei einer Begehung am Montag sei nichts beanstandet worden. "Kunst muss frei sein. Ich bin schockiert über das Vorgehen einzelner Politiker", so Husslein. =========================================================================================== ORF ON ------ Salzburg: "Skandalstatue" nun in Holzhäuschen Die nackte Männerskulptur mit erigiertem Penis auf dem Max-Reinhardt-Platz vor dem Museum der Moderne Salzburg Rupertinum und dem Kleinen Festspielhaus wurde am Nachmittag zu einem gelben Holzhäuschen umgewandelt. Feuerwehrleute hatten das anstößige Objekt mit Brettern umgeben. Wann und wohin das "skandalöse" Kunstwerk abtransportiert werden soll, stand vorerst noch nicht fest. Bürgerlisten-Klubobmann Helmut Hüttinger - selbst Jurist - meinte, sollten Schäden beim Transport entstehen, könnten Schadensersatzansprüche auf die Stadt zukommen. Das Ganze sei juristisch sehr bedenklich. Außerdem halte er die Causa für "sehr provinziell", so Hüttinger. Erregung in Salzburg Die nackte Männerskulptur mit erigiertem Penis auf dem Max-Reinhardt-Platz vor dem Museum der Moderne Salzburg Rupertinum und dem Kleinen Festspielhaus hatte zuvor in der Stadt Salzburg neuerlich für Aufregung gesorgt. Entrüstete Spitzen der Stadtpolitik von SPÖ, ÖVP und FPÖ wollten dieses "skandalöse" Objekt von der Feuerwehr entfernen lassen, was aber am Widerstand der Künstler der Gruppe Gelatin scheiterte, die sich auf ihr Werk setzten. Schließlich wurde die Figur des "Arc de Triomphe" verhüllt. Schaden: "Hussleins persönliche Phantasien" "Man tut der Kunst nichts Gutes, wenn man für jede Unsinnigkeit die Freiheit der Kunst beansprucht", begründete Bürgermeister Heinz Schaden seine Aufregung. Hussleins Argument, es sei nicht Aufgabe der Politik, zu entscheiden, was Kunst sei und was nicht, beantwortet Schaden so: "Es kann nicht Aufgabe der Frau Husslein sein, ihre persönlichen Phantasien öffentlich darzustellen".