Mittwoch, 12. September 20:10
Eine neue Form des digitalisierten Broterwerbs gibt es.
Jemand hatte folgende glorreiche Idee: Man muss sich ja gar nicht die Mühe machen, um einen echten Virus zu programmieren – es genügt doch, wenn die Menschen ganz einfach Angst davor haben. Wie genial!

Ich habe Gestern eine Email erhalten, die folgenden Text enthält:
Hallo, lieber Benutzer von mats.at.

Wir haben eine RAT-Software auf Ihrem Gerät installiert.
Zu dieser Zeit ist Ihr E-Mail-Konto gehackt (siehe von der adresse, jetzt habe ich den Zugriff auf Ihre Konten).
Ich habe alle vertraulichen Informationen von Ihrem System heruntergeladen und ich habe weitere Beweise erhalten.
Die interessantesten Sachen, die ich entdeckt habe, sind Videos von Ihnen auf denen Sie masturbieren.

Ich habe meinen Virus auf die Pornoseite gepostet, und dann haben Sie ihn auf Ihren Betriebssystem installiert.
Als Sie auf den Button "Play" auf Porno-Video geklickt haben, wurde mein Trojaner in diesem Moment auf Ihr Gerät heruntergeladen.
Nach der Installation nimmt Ihre Frontkamera jedes Mal, wenn Sie masturbieren, ein Video auf; zusätzlich wird die Software mit dem von Ihnen gewählten Video synchronisiert.

Zur Zeit hat die Software alle Ihre Kontaktinformationen aus sozialen Netzwerken und E-Mail-Adressen gesammelt.
Wenn Sie alle Daten gesammelt von Ihr System löschen müssen, senden Sie mir $300 in BTC (Kryptowährung).
Das ist mein Bitcoin Wallet: xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx
Sie haben 2 Tage nach dem Lesen dieses Briefes.

Nach Ihrer Transaktion werde ich alle Ihre Daten löschen.
Ansonsten sende ich Video mit deinen Streiche an alle deine Kollegen und Freunde!!!

Und von nun an, seien Sie vorsichtiger!
Bitte besuchen Sie nur sichere Webseiten!
Tschüss!


Um Deine erste Frage gleich zu beantworten: Nein, das ist – so wie vom Täter beschrieben – definitiv nicht möglich!

Naja, um ganz ehrlich zu sein: Gib mir etwas Zeit, ein zentral gelegenes Büro, freie Mitarbeiterauswahl und rund 500.000 Euro (mit Option auf noch einmal die gleiche Summe) und ich präsentiere Dir etwas, was vielleicht so ähnlich funktionieren könnte. Aber bitte wozu, wenn es auch ohne geht?!

Also: Nein, es ist – aus rein finanziellen Gründen – nicht möglich. So, wie sich die meisten User die Welt der Viren vorstellt, funktioniert sie eben doch nicht. Egal.

Interessant ist aber, dass der Täter ja irgendetwas von sich bekannt geben muss, damit ich ihm die 300 Dollar geben, senden, überweisen kann. Dies ist die ID seines Bitcoin Wallet. Da es sich bei Bitcoin aber um eine Kryptowährung im Blockchain-Format handelt, kann ich auch ganz frei im Netz nachsehen, wieviel Geld er bereits mit dieser Betrugsmasche geerntet hat. Bisher (Stand: 12. September, 20:00 Uhr) haben neun Menschen aus aller Welt so viel Angst vor seinem Schreiben entwickelt, dass sie bezahlt haben. Er hat also bereits über 2.100 Dollar mit einer kleinen Email-Aktion verdient.

Von verdienen kann natürlich keine Rede sein – sein Charma ist bereits schwer negativ geladen. Wenn er dann das ganze schöne Geld dann ausgeben möchte, wird es ihm kaum Freude bereiten.
Damit ende ich mit seinen Worten: »Und von nun an, seien Sie vorsichtiger!«

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(C) mArtin, im September 2018.
Und ich bin wirklich nicht immer stolz darauf.
Manchmal aber sehr wohl.


Da einige meiner Texte ohnehin bereits an anderer Stelle verwendet wurden/werden, dürfen sie also unter Angabe der Quelle auszugsweise verwendet werden. Bitte aber den passenden Link zum entsprechenden Beitrag im Rahmen der Zitat-Kennzeichnung kopieren und einfügen. Denn irgendwann möchte ich auch reich und berühmt werden. Oder auch nicht. Herzlichen Dank und weiterhin viel (Lese-)Freude!