Donnerstag, 07. Juni 20:00
Der Wald, durch den ich täglich fahre, hat diese Saison ziemlich leiden müssen. Die Arbeiten sind immer noch nicht ganz beendet, doch das Ausmaß ist bereits zur Gänze sichtbar. Fazit: Es ist zum Glück nicht ganz so schlimm, wie es ursprünglich zu befürchten war. Zwar ist von der – im Rahmen eines EU-Biosphärenparks versprochenen – naturnahen Bewirtschaftung eher nichts zu merken, aber immerhin hat man ja nur die Forststraßen in einer Breite von etwa 10 Meter ausgeschlagen. Was zwar manchmal ein wenig seltsam aussieht, sich aber doch relativ rasch wieder zusammenwächst.

Am Rand der Straße liegen jetzt überall noch die dicken Stämme und warten auf den Abtransport ins Platten- und Zellstoffwerk. Tatsächlich! Aus mehr als 95% der schönen, alten Bäume werden nur Faserplatten und Klopapier. Ich habe mich auf ein längeres Gespräch mit einem Forstarbeiter eingelassen und da einige interessante Tatsachen erfahren. Nämlich: Für echtes Möbelholz taugen diese Bäume kaum, da die Ansprüche an die Holzqualität bei österreichischen Möbelherstellern enorm hoch sind. Da darf nichts verdreht oder verästet sein – das wird nicht gekauft. Wenn man aber Möbel aus einem beliebigen Einrichtungshaus kauft, dann gibt es da sehr wohl Äste und schiefe Holzadern. Ja, diese Produkte stammen aber auch aus Ländern, wo die Holzqualität absolut keine Rolle spielt. In Schwellenländern wird einfach alles verarbeitet, was wächst. Und seien wir ehrlich, es sieht ja deswegen auch nicht schlecht aus, oder? Aber der österreichische Tischler möchte absolut einwandfreies Holz haben. Oder aber – wenn die Qualität nicht so hoch sein muss, dann gewinnt natürlich immer das (mehr oder weniger illegal geschlagene) Holz aus dem Ausland. So kommt unser eigenes, feines Holz einfach ins Plattenwerk und wird in kleine Fetzchen zersäbelt.

Wirklich schade.

Ich habe mir so einen Stamm am Wegesrand genauer angesehen. Es ist nicht einmal die größte Eiche, die da herumliegt, da gibt es noch wesentlich größere Durchmesser. Es war nur jene, wo die Jahresringe noch am besten zu sehen sind. Und da liegen sie und warten auf den Transport ins Funder-Werk: 210 Jahre Baumleben...

1 Kommentare


(C) mArtin, im Juni 2018.
Und ich bin wirklich nicht immer stolz darauf.
Manchmal aber sehr wohl.


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