Dienstag, 15. Mai 20:30
Es ist ein (gar nicht so) kleiner Skandal mir relativ berechenbaren Auswirkungen: Zwei Fußballer aus dem deutschen Nationalteam wurden gestern in London zusammen mit dem türkischen Präsidenten Erdogan fotografiert.
Na gut, aber wo ist da der Skandal?
1.) Die zwei Sportler heißen mit Nachnamen »Özil« und »Gündogan«. Sie sind zwar beide bereits in Deutschland geboren, haben aber – ebenfalls beide – türkische Wurzeln, also einen sog. migrantischen Hintergrund.
2.) Sie haben mit Erdogan heftigen »Leiberltausch« praktiziert. Gündogan hat zusätzlich noch auf sein Shirt geschrieben: »Für meinen Präsidenten, voller Hochachtung!«
3.) Erdogan steht vor einer Wahl (nämlich im August) und hat in Deutschland ein weitreichendes Auftritts- und Werbeverbot.

Die Auswirkungen solch eines Fauxpas sind – wie gesagt – sehr vorhersehbar. Mein erster Gedanke war, dass sicher jemand rufen wird: »Nein, Dein Präsident heißt Steinmeier!!!!« Und selbstverständlich gab es diesen Ruf. Diesmal aber – und das habe ich dann doch ein wenig falsch eingeordnet – nicht nur aus der rechten Ecke der AfD-Sympathisanten. Auch Linke regen sich darüber auf. Auch der deutsche Fussballverband regt sich darüber auf. Auch in Deutschland lebende Türken, die nicht auf Erdogans Seite stehen, regen sich darüber auf. Auch in Deutschland lebende Kurden regen sich darüber auf...
Und wenn ich ganz ehrlich bin, ich habe mich zunächst auch darüber echauffiert. Es ist halt schon ein bisserlbisserl


»a bisserl« = weniger. Noch ein wenig weniger, als wenig.

Am wenigsten wäre dann ein »E u z e r l«.

Aber das ist dann schon so wenig, dass es - jetzt rein in Bezug auf die Menge - fast mit dem »Lecherlschas« in Konkurrenz tritt.
ekelig, wenn man solche Bilder sieht.

Aber ich habe mich relativ rasch beruhigt und konnte dann über diese Sache relativ emotionslos nachdenken:

1.) Es ist nachvollziehbar, dass man sich in Deutschland darüber aufregt und zwar aus folgendem Grund: Türken sind halt recht gerne ziemlich herbe Nationalisten. Sie gehen damit nicht nur den Deutschen auf den Sack, sondern ja auch uns Österreicher. Wenn man irgendwo in deutschen Städten Aufmärsche mit Fahnen sieht, dann kann man sicher sein, dass sind entweder einheimische Nazis oder einheimische Türken. Und so etwas macht eben auf Dauer keinen schlanken Fuss.

Man stelle sich nur kurz einmal folgendes vor: In Wien gäbe es eine Demo von jener Gruppe von Menschen, die bei uns unangefochten den ersten Platz beim Aufweisen eines migrantischen Hintergrunds haben: nämlich den Deutschen. Und dabei tragen sie alle die deutsche Flagge, singen deutsche Lieder, verbrennen andere Nationalflaggen.
Richtig, das ist unvorstellbar. Sowohl Deutsche als auch umgekehrt wir Österreicher sind zwar auch ab und an Nationalisten, doch zum Glück verbrennen wir dann unsere verhassten Flaggen lieber ein bisserlbisserl


»a bisserl« = weniger. Noch ein wenig weniger, als wenig.

Am wenigsten wäre dann ein »E u z e r l«.

Aber das ist dann schon so wenig, dass es - jetzt rein in Bezug auf die Menge - fast mit dem »Lecherlschas« in Konkurrenz tritt.
im Geheimen.

2.) Der Fußballbund oder -verband oder wie auch immer das Glump in Deutschland heißen mag, soll beim Verkünden von moralischen Werten lieber ein bisserlbisserl


»a bisserl« = weniger. Noch ein wenig weniger, als wenig.

Am wenigsten wäre dann ein »E u z e r l«.

Aber das ist dann schon so wenig, dass es - jetzt rein in Bezug auf die Menge - fast mit dem »Lecherlschas« in Konkurrenz tritt.
leiser treten. Wer sich Weltmeisterschafts-Auslosungen kauft, der hat das Recht auf moralische Ansprüche eigentlich schon an der Kassa abgegeben.

3.) Es gilt – sowohl in Deutschland als auch hier in Österreich – immer noch die Meinungsfreiheit. Ich darf Erdogan geil finden und das auch ausdrücken. Ich darf ihn scheiße finden und das ausdrücken. Ich darf ihn also lieben und auch nicht so besonders mögen. Das alles darf ich in Österreich und Deutschland machen und niemand kann mich dafür verurteilen. (ähh..., ich darf nur kein SchmähSchmäh


Ojegerl. Das ist wieder einmal schwer zu erklären.

Ein Schmäh ist einerseits eine Lüge - andererseits vielleicht auch ein kleiner Spass. Wenn man einen »guten Schmäh« macht, dann ist man der Held. Wenn man »keinen Schmäh« hat, dann ist man ein echter Verlierer.
gedicht über ihn aufsagen!). Das ist übrigens der so wunderbare Unterschied zur Türkei, denn dort darf ich Erdogan ausschließlich nur lieben!

4.) Das ist eigentlich der wichtigste Punkt in dieser Causa. Bei all dem, was die beiden Burschen da eventuell angerichtet haben könnten, bei all dem, was da jetzt so viele Leute über diese zwei armen Bemmerln sagen, twittern, posten, rufen und schreiben: Es sollte wirklich niemand darauf vergessen: Das sind Fußballer. Ja,  F u ß b a l l e r . Sie werden nicht dafür bezahlt, eine praktikable Lösung des Atommüllproblems von Deutschland unter Berücksichtigung der Halbwertszeit von Cäsium-137 zu finden – nein, sie bekommen ihr Geld ausschließlich: für's  K i c k e n!
Insofern ist alles wirklich nur mehr halb so wild...
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(C) mArtin, im August 2018.
Und ich bin wirklich nicht immer stolz darauf.
Manchmal aber sehr wohl.


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